Romantik-Ausstellung

Der romantische Komponist Robert Schumann war der Sohn eines Verlagsbuchhändlers. Inmitten einer fast unermesslich großen Bibliothek aufgewachsen, las Robert Schumann von klein auf geradezu unermüdlich. Die Werke von Jean Paul und Johann Wolfgang von Goethe faszinierten ihn besonders, aber auch die Autorinnen und Autoren der Romantiker-Generation gehörten zu seinen Lieblingsdichtern.

Lange Zeit schwankte der junge Robert Schumann, ob er Dichter oder Musiker werden sollte, doch seine kompositorische Begabung war zweifellos größer als seine poetische. Als Komponist neuartiger Klavierwerke begann er seine Laufbahn. Im Jahr 1840 brachte er den Liederzyklus „Dichterliebe“ nach Heinrich Heine heraus, ebenso wie den berühmten „Liederkreis“ nach Gedichten von Joseph von Eichendorff. Sie gelten als Höhepunkte der romantischen Liedkunst.

1844 begleitete Schumann seine Frau Clara – die berühmteste Pianistin ihrer Zeit – auf eine Russland-Tournee. Während Clara Schumann umjubelte Konzerte gab, versenkte sich der Komponist in die Lektüre von Goethes „Faust“. Vor allem die Schlussszene „Bergschluchten“ mit ihrem geheimnisvollen Aufstieg in immer höhere Sphären reizte ihn, ebenso wie die Errettung von Fausts Seele durch das „Ewig Weibliche“.

An die klangvollen und rätselhaften Verse von Goethes Dichtung hatte sich bisher noch kein Komponist herangetraut. Im Spätsommer des Jahres 1844 gelang Schumann die erste vollständige Vertonung der Schlussszene aus Goethes „Faust“. Zwischen 1849 und 1853 fügte er weitere Szenen hinzu und schuf auf diese Weise ein abendfüllendes Werk von bedeutender Dimension. Dabei lud er die Hörer ein, durch das Zusammenwirken von Text und Musik eine Art imaginäres Theater lebendig werden zu lassen.

Die ersten Entwürfe zu seinen „Scenen aus Goethe’s Faust“ hielt Schumann auf 123 Skizzenblättern fest, die sich seit 2018 im Besitz des Freien Deutschen Hochstifts befinden. Sie zeigen Schumanns eigenhändige Abschrift des Textes der letzten Szene, die ersten Notenaufzeichnungen mit zahlreichen Korrekturen und Veränderungen sowie Überlegungen zur Instrumentalbesetzung und weitere Notizen.

Auf den ersten Blick wirken diese Blätter unverständlich, vielleicht sogar befremdlich. Doch bei näherer Betrachtung beginnen sie, zu uns zu sprechen. Sie erlauben spannende Einblicke in die Werkstatt des Komponisten.