GROSSARTIG I KURIOS I INTERNATIONAL

Vitrine 5: Die Huldigung

Die Auseinandersetzung mit der Antike zeigt sich in der Federzeichnung Bekränzung mit Lorbeer [19] thematisch (Goethe, Tasso, 1. Aufzug, 3. Auftritt), stilistisch in der Umrisszeichnung und ikonographisch in der Bildtradition der Huldigung.
Vogel von Vogelstein griff den Wettstreit der Künste auf, den Paragone, welchen Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) im Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie (1766) erörtert hatte. Der Maler hält einen Moment des Übergangs fest – den von Lessing definierten „fruchtbaren Augenblick“:

Als Herzog Alfons II. von Ferrara mit einem Lorbeerkranz von der Marmorbüste Vergils auf Tasso zutritt, weicht der Dichter zunächst zurück. Leonore, die Vertraute der Prinzessin, wundert sich über dessen Weigerung, die Huldigung anzunehmen. Tasso ist zu bescheiden, um sich mit dem bedeutendsten Dichter und Epiker der römischen Antike, Vergilius (70–19 v. Chr.), gleichsetzen zu lassen. Daraufhin übernimmt die Prinzessin die Handlung. Während sie den Kranz erhebt, spricht sie: „Du gönnst mir die seltne Freude, Tasso, / Dir ohne Worte zu sagen, wie ich denke.“ Tasso kann ihr keine Bitte abschlagen: „Die schönste Last aus deinen teuren Händen / Empfang ich kniend auf meinem schwachen Haupt.“

 

Schon gesehen?!

Die Vorlage zum Stahlstich [22] finden Sie in unserer Dauerausstellung im Gemäldekabinett des Deutschen Romantik-Museums.