GROSSARTIG I KURIOS I INTERNATIONAL

Vitrine 3: Die Reproduktionen

1769 erkundete Goethe im Mannheimer Antikensaal „eine unwiderstehliche Masse“ an Gipsen – „ein Wald von Statuen, durch den man sich durchwinden, eine große ideale Volksgesellschaft, zwischen der man sich durchdrängen mußte“. Dazu gehörten der Apoll vom Belvedere und die Laokoon-Gruppe. Besonders wirkten auf ihn Komposition und Ausdruck der Figuren, die ihre Handlung und innere Regung sichtbar machen und in der eigenen Vorstellung fortsetzen lassen.

 

Die Materialität der Skulpturen war für Goethe nebensächlich, so stellte er in den Wahlverwandtschaften (1809) fest: „doch bleibt immer das schönste Denkmal des Menschen eigenes Bild“. Einer Person ein Denkmal zu setzen bedeutete für ihn, ihre Sterblichkeit zu überwinden und ein normatives Vorbild zu etablieren. Dabei orientierte sich Goethe an der Verwendung der antiken Plastik: Figuren, Büsten, Medaillen und Münzen waren zu dieser Zeit in der Öffentlichkeit allgegenwärtig und entfalteten enorme Wirkung.

 

Goethe kritisierte in Gehorsamste Promemoria (1804) die von Liebhabern beauftragten „bildlosen allgemeinen Formen“ ohne Funktion. Stattdessen lobte er die Medaille als dauerhaftes, vervielfältigbares Erinnerungsmedium:

„[F]erner ist eine Medaille, von einem gründlichen Künstler nach seiner Büste oder nach dem Leben gearbeitet, ein schönes Denkmal, das mehrere Freunde besitzen können und das auf die späteste Nachwelt übergeht“.