Goethe-Haus

Großes nördliches Seitenkabinett

Das Gemälde über der Kommode zeigt den Lieutnant de Roi François de Théas de Thoranc. Er war während der französischen Besatzung Frankfurts im Siebenjährigen Krieg von 1759 bis 1762 im ersten Stock von Goethes Elternhaus einquartiert. Als Zivilgouverneur und oberste Instanz für alle bürgerlichen Rechtsfragen empfing er täglich viele Besucher. Goethes Vater, der seine Privatsphäre sehr schätzte und politisch nicht auf der Seite der Franzosen stand, konnte sich nur schwer mit dieser Situation abfinden. Die Mutter und die Kinder kamen mit der französischen Einquartierung besser zurecht, da sie viel Abwechslung mit sich brachte.

 

In Dichtung und Wahrheit heißt es: „Graf Thorane indessen betrug sich musterhaft. Nicht einmal seine Landkarten wollte er an die Wände genagelt haben, um die neuen Tapeten nicht zu verderben. Seine Leute waren gewandt, still und ordentlich; aber freilich, da den ganzen Tag und einen Teil der Nacht nicht Ruhe bei ihm ward, [...] so gab es in dem mäßig großen, nur für eine Familie eingerichteten Hause, das nur eine durch alle Stockwerke unverschlossen durchgehende Treppe hatte, eine Bewegung und ein Gesumme wie in einem Bienenkorbe, obgleich alles sehr gemäßigt, ernsthaft und streng zuging.“