Romantik-Ausstellung

Die aus Gips gefertigte Büste in dieser Station zeigt Clemens Brentano. Der junge Autor hatte sie für seine Schwester Bettine anfertigen lassen. Ein zweites Exemplar ging an seine Frau, die Schriftstellerin Sophie Mereau-Brentano.

Sophie Mereau wurde 1770 als Sophie Schubart im thüringischen Altenburg geboren. Seit 1791 förderte Friedrich Schiller ihr schriftstellerisches Talent. 1793 heiratete sie den Juristen Karl Mereau und zog nach Jena. Das Paar bekam zwei Kinder und führte ein geselliges Haus, in dem zahlreiche Romantikerinnen und Romantiker verkehrten. Nach ihrer Scheidung 1801 lebte sie von ihrem Schreiben und gilt heute als eine der frühen Berufsschriftstellerinnen. Bekannt wurde sie z. B. mit ihrem Roman Amanda und Eduard.

Als der 20jährige Clemens Brentano 1798 die acht Jahre ältere Autorin kennenlernte, verliebte er sich schnell in die umschwärmte Schönheit. Nach einem Zerwürfnis im Sommer 1800 kam es drei Jahre später dann zu einem folgenreichen Wiedersehen.  In langen Briefen aus Marburg malte sich Brentano nun ihre gemeinsame Zukunft aus. Sophie Mereau, die ihre Unabhängigkeit schätzen gelernt hatte, nahm seinen Heiratsantrag aber erst an, als sie von ihm schwanger wurde. Am 29. November 1803 wurden die beiden in Marburg getraut.

Im September 1803 hatte Sophie Mereau die Büste von Clemens Brentano erhalten, während er selbst einige Zeit abwesend war. Er schrieb ihr zu dem Kunstwerk: „[W]ie wirst Du mich so häßlich finden, wenn Du mich wiedersiehst, Du hast Dich nun einmal an den gypsernen Clemens gewöhnt“. Die Skulptur inspirierte Sophie Mereau-Brentano zu ihrem Sonett auf eines Ungenannten Büste. Dort heißt es, dass in den Gesichtszügen ein zukünftig ruhmreicher Dichter zu erkennen sei, eine deutliche Aufforderung an den Geliebten.

Zur Schriftsteller-Beziehung der beiden gehörten auch gemeinschaftliche Arbeiten, so übersetzten sie beispielsweise gemeinsam Novellen aus fremden Sprachen. Zwei Bände mit spanischen Novellen erschienen, zur Veröffentlichung weiterer kam es nicht mehr. Sophie Mereau-Brentano starb am 31. Oktober 1806 in Heidelberg bei der Geburt des dritten gemeinsamen Kindes.

In der Romantik waren Gedichte auf Bilder und Skulpturen sehr beliebt, da mit ihnen Gattungsgrenzen überwunden wurden. 1805 konnte das Publikum das Sonett in Mereau-Brentanos Bunter Reihe kleiner Schriften lesen und so die Büste poetisch kennenlernen. Sonette galten wegen der kunstvollen Anordnung der Reimwörter als besonders musikalisch und wurden im Deutschen deshalb auch als „Klinggedicht“ bezeichnet.