GROSSARTIG I KURIOS I INTERNATIONAL

Vitrine 1: Die Entstehungsgeschichte I

Der Briefwechsel zwischen Goethe und David d’Angers aus den Jahren 1830/31 dokumentiert ihre gegenseitige Wertschätzung und den internationalen Freundschaftsbund durch die Kunst.

Der Bildhauer präsentierte die fertiggestellte Marmorbüste einige Tage im Pariser Salon und sandte sie Ende April mit der Widmungsinschrift „À Göthe P. J. David d’Angers 1831” nach Weimar. In seinem Brief vom 18. Juni 1831 erklärte David d‘Angers seine Absichten:

 

                                                                                                  Paris 18 Juni 1831

Sehr geehrter Herr,

sobald sich meine jungen Gedanken

auf die Betrachtung der  

erhabenen Werke der Natur  

richteten, galt meine Bewunderung den großen  

Menschen, die ihre schönste Schöpfung sind.  

Ich habe Bildhauerei studiert, um  

ihre Züge auf dauerhafte Weise zu verewigen.  

Ich habe ihnen mein Leben und  

alle Empfindungen meiner Seele gewidmet. Es  

war mir als ein unwürdiges Glück vorbehalten,

die Züge des Größten und Erhabensten wiederzugeben. Ich  

biete Ihnen diese schwache Darstellung

Ihrer Züge nicht als ein Werk, das

Ihrer würdig ist, sondern als Ausdruck

eines Herzens, das besser fühlt, als es

ausdrücken kann.

 

[verso]

Sie sind die große poetische Figur

unserer Zeit. Sie schuldet Ihnen eine

Statue, aber ich habe es gewagt, ein Fragment davon zu schaffen

ein Genie, das uns würdiger ist, wird es vollenden.

 

Seien Sie, Herr, so gütig,

die Versicherung

der tiefen Dankbarkeit

Ihres sehr ergebenen Dieners anzunehmen

David

 

Brief im Besitz des Goethe-Schiller-Archivs, Klassik Stiftung Weimar, 28/149, Bl 181,184.